Virtus Open: Kitzbühel als Bühne für Weltklasse-Sport und gelebte Inklusion

Virtus Open Alpine Ski

Virtus Open: Kitzbühel als Bühne für Weltklasse-Sport und gelebte Inklusion - Virtus Open: Kitzbühel als Bühne für Weltklasse-Sport und gelebte Inklusion -

Nur zwei Wochen nach den Hahnenkamm-Rennen wurde Kitzbühel erneut zur internationalen Bühne des alpinen Skisports: Bei den Virtus Open, einer internationalen Rennserie, zeigten Athletinnen und Athleten mit mentaler Beeinträchtigung, Trisomie 21 und Autismus Skisport auf höchstem Niveau – und setzten damit ein starkes sportliches wie gesellschaftliches Zeichen.

Nur zwei Wochen nach den Hahnenkamm-Rennen gastierten von 4. bis 7. Februar die Virtus Open Alpine Ski in Kitzbühel – und setzten dabei ein starkes sportliches wie gesellschaftliches Zeichen. Rund 50 Skisportlerinnen und Skisportler aus acht Nationen zeigten auf internationalem Topniveau, wozu Athletinnen und Athleten mit mentaler Beeinträchtigung, Trisomie 21 und Autismus fähig sind. Der sportliche Wettkampf (Super-G, Riesentorlauf, Slalom) war dabei nur ein Teil eines Events, das vor allem durch seine Signalkraft weit über den Skisport hinaus beeindruckte.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Australien, den USA, Frankreich, Italien, Finnland, Polen, der Türkei und Österreich machten Kitzbühel für vier Tage zu einem internationalen Treffpunkt des inklusiven Skisports. Gefahren wurde auf der neu geschaffenen Rennstrecke „Brunelle“ am Kitzbüheler Horn – einer anspruchsvollen Piste, die in den Wochen zuvor bereits von Weltcup- und Europacupathleten getestet worden war und nun erstmals mit internationalen Rennen offiziell eingeweiht wurde.

„Unsere Athletinnen und Athleten wollen zeigen, dass sie auf höchstem Niveau konkurrieren können – auf den besten Strecken der Welt“, betonte Ian Conyers, Vorstandsmitglied von Virtus, der internationalen Organisation zur Förderung von Leistungssport für Athletinnen und Athleten mit intellektueller Beeinträchtigung. „Sie brauchen lediglich Aufmerksamkeit und Unterstützung durch das lokale Organisationsteam – dann sind sie bereit. Und schnell.“

Mit der Veranstaltung war Ian Conyers, der aus Michigan nach Kitzbühel reiste, rundum glücklich: „Es war großartig – genau das Weltklasse-Niveau, das wir erwartet haben. Wir sind auch mit den Rennen sehr zufrieden: großartige Bedingungen und eine neue Strecke, in die der Ski Club Kitzbühel investiert hat. Wir sind sehr stolz, dass wir es sind, die hier die ersten Rennen fahren durften.“

Ein weiterer Höhepunkt war ein Besuch am Hahnenkamm, auf dem der Kitzbüheler Ski Club die internationalen Gäste ins Starthaus der Streif lud. Der Blick über die Alpen, eine gemeinsame Abfahrt auf der legendären Strecke und spontane Teamfotos sorgten für emotionale Momente – ebenso wie die italienische Mannschaft, die ihre Nationalhymne auf der Terrasse anstimmte.

Auch sportlich wurde Skisport auf höchstem Niveau geboten. Vor allem der 16-jährige Franzose Axel Bringdal (Klasse II3, Autismus) dominierte die Rennen und erzielte in allen drei Disziplinen die Tagesbestzeiten – jeweils mit Respektabstand. Sein großes Ziel formulierte er selbstbewusst: „Ich möchte nach Kitzbühel zurückkehren – aber auf dem Hang gegenüber“, sagte er mit Blick auf den Ganslern. Die ersten fünf Rennen auf FIS-Level hat Axel Bringdal bereits bestritten. 

Aus heimischer Sicht sorgte vor allem der Triumph im Super-G von KSC-Sportler Lukas Moser aus dem Nachbarort Aschau bei Kirchberg für Freudentränen bei seiner Familie und den Fans. Im Riesentorlauf und im Slalom schied der 17-Jährige zwar aus, dafür holte sein Bruder Thomas dort jeweils Platz fünf – und das im Alter von erst 14 Jahren. Für weitere Siege in Rot-Weiß-Rot sorgten Anna-Sophie Friedl, Stephanie Schlömmer, Jasmin Heim und Michael Konrad.

Doch unabhängig von Medaillen und Zeiten standen Haltung und Botschaft der Virtus Open im Mittelpunkt. „Es ist völlig egal, welche Behinderung man hat – stelle dich der Herausforderung“, sagte die US-Amerikanerin Haleigh Bates, die eigens aus Colorado angereist war. Die junge Australierin Georgia Yuen richtete den Blick bereits über Kitzbühel hinaus: „Hoffentlich sind Sportlerinnen und Sportler mit einer geistigen Beeinträchtigung bald wieder bei den Paralympics zugelassen. Wir sind genauso gut wie andere Athleten auf FIS-Level.“

Großes Lob kam auch von offizieller Seite. Paula Grameiser-Scherl vom Österreichischen Behindertensportverband zeigte sich tief beeindruckt: „Die Virtus Open haben eindrucksvoll bewiesen, zu welchen sportlichen Höchstleistungen Skifahrerinnen und Skifahrer mit mentalen Behinderungen fähig sind. Der Kitzbüheler Ski Club hat mit Herzblut und unermüdlichem Einsatz dafür gesorgt, dass unsere Athletinnen und Athleten Skisport auf internationalem Topniveau zeigen konnten.“ Zugleich schlug sie den Bogen in die Zukunft: „Die diesjährigen Virtus Open zeigen, wie unsere Skifamilie weiter zusammenwächst, neue Maßstäbe setzt und sich mit Leidenschaft, Professionalität und gelebter Inklusion stetig weiterentwickelt – bis hin zu den Paralympics 2030.“

Das große Ziel aller Athletinnen und Athleten sowie der Offiziellen ist eine Wiederaufnahme in das Bewerbsprogramm der Paralympics. Eine Entscheidung darüber fällt in den nächsten Wochen.

Auch Julian Hadschieff, Präsident des Österreichischen Behindertensportverbandes, ließ sich die Virtus Open auf dem Kitzbüheler Horn nicht entgehen und zeigte sich sehr beeindruckt: „Ich finde es großartig, wie der Kitzbüheler Ski Club, der professionellste Skiclub im alpinen Weltcup, diese Veranstaltung für uns aufgestellt hat – mit all seinen Funktionären und all den Volunteers. Michael Huber und deinem Team: vielen Dank!“

Die Bedeutung der Virtus Open auf dem Kitzbüheler Horn reicht über den Nachwuchs bis in den Europa- und Weltcup, fanden die drei Rennen doch auf einer erst 2025 neu geschaffenen Rennstrecke statt – vor allem für die Disziplinen Riesentorlauf und Slalom. „Dafür haben der Kitzbüheler Ski Club gemeinsam mit der Bergbahn Kitzbühel gutes Geld in die Hand genommen und die Beschneiung sowie die Sicherheitsvorkehrungen verbessert“, sagt Mario Mittermayer-Weinhandl, Rennleiter der Virtus Open wie auch der Hahnenkamm-Rennen. In den letzten Wochen haben dort bereits die österreichische sowie die deutsche Nationalmannschaft trainiert, zudem die Europacup-Damen.

„Bis zu den Virtus Open war die neue Strecke auf der Brunelle eine reine Trainingstrecke, und seit den Virtus Open ist sie auch eine Rennstrecke“, freut sich Mario Mittermayer-Weinhandl. „Mit bis zu einer Minute Laufzeit in einem Riesentorlauf – das ist schon richtig gut.“ Gemeinsam mit der neuen Speed-Strecke auf dem Pass Thurn, wo im Jänner fünf Europacup-Rennen stattgefunden haben, und der neuen Strecke auf dem Kitzbüheler Horn – vor allem für Riesentorlauf und Slalom – hat sich Kitzbühel binnen weniger Jahre zu einem Trainingsparadies im Herzen der Alpen entwickelt.

Bildcredit: KSC/alpinguin